Emma Chamberlain: So richtete sich der Youtube-Star sein erstes eigenes Haus ein.
Emma Chamberlain war noch nicht mal alt genug, um wählen zu dürfen, da galt sie bereits als Social-Media-Phänomen. Ehrwürdige Zeitungen und Magazine der alten Schule – sonst oft nicht gerade gut zu sprechen auf die neuen Medien und ihre Protagonist:innen – überschlugen sich mit Lobeshymnen auf den jugendlichen Internet-Superstar. Die „New York Times“ nannte sie „die witzigste Person auf Youtube“, die „die Welt der Online-Videos verändert“ habe. Das „Time Magazine“ setzte sie auf seine Liste der 25 einflussreichsten Menschen im Internet 2019, neben Leuten wie dem Rapper Lil Nas X, der Kongressabgeordneten Alexandria Ocasio-Cortez oder Prinz Harry und Meghan Markle.
In Regenbogenfarben schimmert der Coffeetable aus Onyxmarmor, der den Mittelpunkt des großen Wohnzimmers bildet. Ihn umgeben ein Sofa von Stahl + Band, zwei Sessel von Moving Mountains (alles mit Bezügen von Schumacher) und ein Vintage-Lounger von Milo Baughman. Das Gemälde an der linken Wand ist von Emmas Vater Michael Chamberlain.
Christopher Sturman
Emma Chamberlain hat viele Talente
Heute, im reifen Alter von 21 Jahren, hat Emma Chamberlain schon das zweite Karriere-Kapitel aufgeschlagen: Sie betreibt den populären „Anything Goes“-Podcast, ist mit Chamberlain Coffee ins Kaffee-Business eingestiegen, ist als Markenbotschafterin für Louis Vuitton, Cartier und Levi’s unterwegs – und damit ist nur ein Teil ihrer Aktivitäten genannt. Das Geheimnis von Chamberlains Erfolg? Man muss sich nur die begeisterten Kommentare zu ihren Online-Postings ansehen, in denen bestimmte Wörter immer wieder auftauchen: witzig, ehrlich, offen, nahbar, echt.
Über dem Travertin-Esstisch von Martin Massé hängt ein Trueing-Lüster. „Giraffe“-Stühle von Juliana Lima Vasconcellos, Teppich: Commune für Christopher Farr Cloth.
Christopher Sturman
Genau diese Qualitäten kommen in Emma Chamberlains neuem Zuhause in Los Angeles in dreidimensionaler Form zum Ausdruck. Das zusammen mit den Interiordesignerinnen Ashley Drost und Marie Trohman von Proem Studio eingerichtete Haus spiegelt präzise das lässige Lebensgefühl, die Spontaneität und Neugierde seiner Bewohnerin wider, der Unerwartetes und Eigenwilliges wichtiger ist als vorhersehbare Designtrophäen und müde Luxussymbole. „Ich arbeite von zu Hause aus, deshalb wollte ich etwas ganz Persönliches und Bequemes schaffen“, sagt Chamberlain über das Projekt. „Ich habe Ideen aus vielen Jahrzehnten und Design-Epochen eingebracht und versucht, sie zu etwas zu verschmelzen, das sich nicht nur stimmig, sondern auch neu anfühlt. Es ging nicht darum, Regeln zu befolgen oder sich an einer bestimmten Ästhetik festzuhalten. Ich habe einfach versucht, das Ganze mit einer gewissen Unbeschwertheit und Offenheit anzugehen.“
Von Front bis Fliese ist die Küche in zartes Grün gehüllt.
Christopher Sturman
Entwurfsprozess über Generationen
Auch das Haus selbst lieferte reichlich Inspiration. Das 1955 erbaute und mit Zedernschindeln verkleidete Gebäude verbindet nordkalifornischen Hippie-Modernismus mit einem Schuss altmodischem Adirondack-Charme (sprich: gemütliche Kamine, die unter Deckenbalken knistern). „Es fühlte sich irgendwie nach Sommercamp an, und an diese Stimmung haben wir uns angelehnt“, sagt die Designerin Ashley Drost. „Wir stellten uns eine filmreife Mischung aus ,Wet Hot American Summer‘ und ,Troop Beverly Hills‘ vor. Emma Chamberlain sagte: ‚Die Idee klingt toll, aber ich weiß nicht, wovon ihr redet‘“, erinnert sich Drost und lacht über den Generationsunterschied. „Offen gesagt ist es kein perfektes Haus, und das wird es auch nie werden“, ergänzt ihre Partnerin Marie Trohman. „Aber es hat viel Persönlichkeit und eine tolle Energie, und seine Unvollkommenheiten tragen nur zu dem Look bei, den wir mit Emma Chamberlain entwickelt haben.“
Im Garten stehen Outdoor-Möbel von RH, im Hintergrund Beton-Pilze von Flat Earth Designs.
Christopher Sturman
Materialmix: Kupfer, Stuck und Kork
Als „bodenständig mit Twist“ könnte man das architektonische Ambiente bezeichnen – das Designteam verstärkte es noch durch handwerklich bearbeitete, natürliche Materialien und Oberflächen: unbehandeltes Kupferblech, frei geformte Stuckeinfassungen für die Kamine, mit Kork verkleidete Wände und Decken, Platten aus honigfarbenem Onyxmarmor oder eine Wandverkleidung aus geflochtenen Bananenfasern mit subtilem Metallic-Schimmer in einem Gästebad. „Für mich sollen Materialien ein Statement abgeben. Ich mag Dinge, die die starke Ausstrahlung eines Kunstwerks, eines Gemäldes haben“, sagt Chamberlain. Was die eklektische Zusammenstellung der Möbel angeht, so hat sie sich als Inbegriff der Influencerin natürlich online umgesehen. „Ich bin der Moodboard-Typ“, erklärt sie. „Ich habe jeden Winkel im Netz durchforstet, bin in jeden Pinterest-Abgrund getaucht. Überall findet sich Inspiration für mein Zuhause, das geht mir genau wie bei der Mode. In meinem Kopf gibt es da keinen Unterschied.“
Das eigens gefertigte Polsterbett ist mit Dedar-Samt bezogen. Kugelleuchte vorn über JF Chen, Pflanzgefäß von Bzippy.
Christopher Sturman
Das Ergebnis: Groovy Vintage-Schätze – darunter ein Spiegel von Ettore Sottsass und eine Milo-Baughman-Chaiselongue – und Arbeiten zeitgenössischer Designer wie Faye Toogood und Material Lust bilden eine entspannt dekorative Mischung, die elastisch genug ist, um auch Skurriles zu integrieren: einen klobigen Vintage-Fernseher zum Beispiel, in dessen Innern nun ein Katzenbett untergebracht ist, oder eine Reihe von Hockern in Form von Maiskolben neben dem Pool. Einer der Höhepunkte des Hauses ist eine Konsole von Proem Studio aus unregelmäßig gestapelten Glasblöcken, die vom Schreibtisch des Modedesigners Willi Smith in seinem erstaunlichen WilliWear-Büro inspiriert wurde, das SITE in den frühen 1980er-Jahren gestaltete. „Wenn wir mit einer verrückten Idee zu Emma Chamberlain kamen, sagte sie: ‚Nur zu!‘ Sie vertraute uns. Also wagten wir, ein bisschen mehr aus der Reihe zu tanzen“, erinnert sich Trohman. „Sie hat sich aber auch gewehrt, wenn ihr etwas nicht gefiel“, fügt Drost hinzu. „Emma weiß, was sie will, und sie ist reifer, als es ihr Alter vermuten lässt.“
Am Pool wechseln sich schlichte RH-Lounger mit Maiskolben-Hockern von Third Drawer Down ab.
Christopher Sturman
Emma Chamberlain liebt ihre Villa
Die gibt das Kompliment zurück: „Sie haben nicht einfach umgesetzt, was ich ihnen geschickt habe. Sie haben es weitergedacht. Mein Gehirn arbeitet sehr schnell. Ich bin ziemlich laut, und ich rede viel – ich habe alle möglichen Ideen entwickelt, und trotzdem fühlt sich am Ende alles zusammenhängend an, wie eine Geschichte.“ Und das ist für sie die Hauptsache: „Es ist mir eigentlich egal, ob es anderen gefällt. Ich bin diejenige, die hier wohnt, also muss vor allem ich es lieben. Und das tue ich.“
Rustikal ist das Pool-Bad mit Steinboden und Zedernholzverkleidung gehalten.
Christopher Sturman
Kork kleidet das Gästebad aus. Neben dem Onyxmarmor-Becken steht ein Stuhl von Material Lust. Leuchte von Lindsey Adelman.
Christopher Sturman
Der frei geformte Kaminmantel im sitting room ist den Gipskaminen der Keramikerin Valentine Schlegel nachempfunden. Den rustikalen Flagstone-Boden konterkarierten die Interiordesignerinnen von Proem Studio mit einer Korkverkleidung für die Decke. Vintage-Lehnstuhl von Bas Van Pelt, Seventies-Stehleuchte von Goffredo Reggiani.
Christopher Sturman
Interior Styling von Lisa Rowe, Fashionstyling von Jared Ellner
Source: AD Magazin News