Eva Lys hat beim Tennis-Masters in Rom ihren zarten Aufwärtstrend bestätigt, eine Überraschung aber knapp verpasst. In der italienischen Hauptstadt verlor die Hamburgerin nach großem Kampf in der zweiten Runde gegen die viermalige Grand-Slam-Gewinnerin Naomi Osaka 4:6, 6:4, 3:6. Die Partie dauerte insgesamt 2 Stunden und 6 Minuten und bot den Zuschauern auf dem Center Court hochklassiges Tennis mit wechselnden Emotionen.
Der Matchverlauf
Der erste Satz begann dominant von Naomi Osaka. Die Japanerin, die in den letzten Monaten nach ihrer Babypause wieder in die Weltspitze zurückgefunden hat, zeigte ihre ganze Erfahrung. Mit kraftvollen Grundlinienschlägen und einem starken Aufschlag setzte sie Lys früh unter Druck. Nach einem 2:5-Rückstand kämpfte sich Lys zwar auf 4:5 heran, verlor dann aber ihr eigenes Aufschlagspiel zum Satzverlust. Stuttgart zeigte sich hier die Nervenstärke der 24-Jährigen, die in Melbourne eine Knieverletzung erlitten hatte und seitdem um ihre Topform kämpft.
Im zweiten Satz änderte Lys ihre Taktik. Sie blieb solid an der Grundlinie, nutzte die Fehler ihrer Gegnerin konsequent aus und verbesserte ihre Aufschlagleistung deutlich. Mit 78 Prozent erster Aufschläge im zweiten Satz gelang es ihr, die aggressive Spielweise Osakas zu neutralisieren. Der entscheidende Break gelang Lys zum 5:4, als Osaka bei eigenem Aufschlag ungewohnt viele leichte Fehler produzierte. Mit einem souveränen Aufschlagspiel sicherte sich Lys den Satzausgleich und erzwang den Entscheidungssatz.
Dort war es dann ein völlig anderes Bild. Lys gelang kein einziger eigener Aufschlagspiel mehr. Ihre sonst so zuverlässigen Schläge flatterten, und sie produzierte über 15 unnötige Fehler im dritten Satz. Osaka hingegen steigerte sich noch einmal, servierte mit Präzision und diktierte die Ballwechsel. Beim Stand von 5:3 nutzte die Japanerin ihren ersten Matchball zur Entscheidung.
Hintergründe zu den Spielerinnen
Eva Lys, aktuell auf Platz 127 der Weltrangliste, durchlief in den letzten Jahren eine wechselvolle Karriere. Die gebürtige Hamburgerin gewann 2022 ihre ersten beiden ITF-Titel und schaffte 2023 den Sprung in die Top 100. Bei den Australian Open 2024 erlitt sie eine Knieverletzung, die sie mehrere Wochen außer Gefecht setzte. Seit ihrem Comeback in Stuttgart im April sucht sie noch ihre Bestform. Der Sieg in Runde eins gegen Katie Boulter (Weltranglisten-60.) war ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.
Naomi Osaka hingegen ist eine der bekanntesten Tennisspielerinnen der Welt. Die 26-jährige Japanerin gewann viermal ein Grand-Slam-Turnier (US Open 2018 und 2020, Australian Open 2019 und 2021) und stand zwischenzeitlich auf Platz 1 der Weltrangliste. Nach einer Babypause 2023 kämpft sie sich langsam zurück an die Spitze. In Rom erreichte sie durch diesen Sieg die dritte Runde, wo sie auf die Weltranglistenerste Iga Swiatek träfe – sofern Swiatek ihre Auftaktpartie gewinnt.
Bedeutung für das deutsche Tennis
Mit dem Ausscheiden von Eva Lys ist Laura Siegemund die einzig verbliebene Deutsche im WTA-Turnier von Rom. Siegemund, die am Donnerstag noch in der zweiten Runde gegen Jekaterina Alexandrowa antreten muss, hat ebenfalls eine schwere Verletzungsgeschichte hinter sich und kämpft um den Anschluss an die Weltspitze. Am Donnerstag war bereits Tatjana Maria in der zweiten Runde ausgeschieden, Tamara Korpatsch scheiterte schon in Runde eins. Die deutschen Damen haben also nur noch eine Hoffnungsträgerin.
Für Eva Lys geht es nun weiter mit Turnieren in Madrid und Paris, wo sie die Qualifikation für die French Open anstrebt. Ihre Leistung gegen Osaka gibt Anlass zu Optimismus, auch wenn die fehlende Konstanz im Entscheidungssatz noch ein Problem darstellt. Trainer und Betreuerteam werden an der mentalen Stärke und der Aufschlagstabilität arbeiten.
Historische Vergleiche und Statistiken
Der Sieg von Naomi Osaka war ihr insgesamt fünfter in sechs Begegnungen gegen deutsche Spielerinnen in dieser Saison. Die Japanerin hat eine beeindruckende Bilanz gegen Deutsche – insgesamt gewann sie 12 von 15 Matches. Eva Lys hingegen hat gegen Top-10-Spielerinnen eine negative Bilanz von 1:4. Dennoch zeigte sie in Rom, dass sie auf Sand – einer Belag, der ihr nicht unbedingt liegt – durchaus mithalten kann.
Interessant ist auch die Entwicklung von Lys in den letzten Jahren. Ihre Vorhand, einst ihre Schwäche, hat sich zu einer Waffe entwickelt. Auch die Beinarbeit wurde verbessert, was gegen eine Athletin wie Osaka unerlässlich ist. Die Hamburgerin wird nach diesem Turnier in der Weltrangliste um einige Plätze klettern und sich für die Qualifikation zu den French Open empfehlen.
Insgesamt war das Match ein Spiegelbild der aktuellen Formkurven beider Spielerinnen: Osaka auf dem Weg zurück an die Spitze, Lys auf dem Weg zurück in die Top 100. Die knappe Niederlage sollte der 24-Jährigen Auftrieb geben für die kommenden Aufgaben. In Rom stehen am Wochenende noch die Viertelfinals an, in denen nun Laura Siegemund die deutsche Fahne hoch hält.
Source: MSN News