Audi wartet weiterhin auf den dritten Punkt der Saison. In Montreal beim Kanada-GP blieben beide Autos des deutschen Motorenherstellers außerhalb der Top-10 und somit außerhalb der Punkteränge. Eine rückblickend zu wagemutige Reifenstrategie brachte Nico Hülkenberg (am Ende 12.) und Gabriel Bortoleto (13.) ins Hintertreffen. Immerhin konnte «Hülki» diesmal ein richtiges Rennen fahren. Drei Wochen zuvor in Miami war er im Sprint auf dem Weg in die Startaufstellung und im GP früh im Rennen ausgefallen.
Auf Regen gezockt – Trockenrennen bekommen
Eine Herausforderung gleich zu Beginn des Rennens: Wie auch die beiden McLaren-Piloten und insgesamt sechs Fahrer im Grid war Hülkenberg auf Intermediate-Reifen ins Rennen gegangen, hatte auf einen verregneten Start gezockt. Doch pünktlich mit Beginn des Rennens ließ der Nieselregen nach. Dazu kam noch, dass wegen eines technischen Problems am Racing Bulls-Boliden von Arvid Lindblad zwei zusätzliche Einführungsrunden, also drei insgesamt, gefahren wurden. Der tatsächliche Rennstart verzögerte sich also um ein paar Minuten. Das spielte den Fahrern in die Karten, die auf Slicks, also Trockenreifen, an den Start gegangen waren – und spielte leider gegen Nico Hülkenberg und seine Audi-Mannschaft. Schon in der zweiten Runde musste «Hülki» entsprechend zum Reifenwechsel, holte sich weiche Reifen ab. In Runde 20 wechselte er auf Mediums, mit denen er bis zum Ende des Rennens durchhielt.
Diese Entscheidung war das Resultat einer Analyse vor dem Rennen: Die Wettervorhersagen hatten für die Startphase leichten Nieselregen angekündigt, weshalb das Team gemeinsam mit Hülkenberg das Risiko einging, auf Intermediates zu setzen. «Mit dem, was wir damals wussten, war es ein Risiko, das es wert war, eingegangen zu werden», erklärte Hülkenberg später. Doch die Natur machte dem Plan einen Strich durch die Rechnung: Statt stärker werdendem Regen trocknete die Strecke zunehmend ab, sodass die Intermediates bereits nach wenigen Minuten überhitzt und wirkungslos waren. Der daraus resultierende frühe Boxenstopp warf Hülkenberg ans Ende des Feldes zurück, und obwohl er sich mit einer Aufholjagd bis auf Rang 12 vorarbeiten konnte, reichte es nicht für Punkte.
Das Rennen in Montreal war für Audi auch deshalb bitter, weil das Team zuvor in Miami zumindest einen Achtungserfolg verbucht hatte: Dort fuhr Hülkenberg im Qualifying auf Platz 8 und lag im Sprint zwischenzeitlich auf Punktekurs, ehe ein technischer Defekt ihn ausbremste. Im Hauptrennen war er dann schon in der ersten Runde in eine Kollision verwickelt und schied aus. In Kanada zeigte sich zumindest die Standfestigkeit des Autos, doch das reine Tempo war nicht konkurrenzfähig genug, um die Lücke zu den Topteams zu schließen.
Hülkenberg: «Schwieriges Rennen»
Hülkenberg sagte nach dem Rennen zur Strategieentscheidung, die sich im Nachhinein als falsch herausstellte: «Es war ein schwieriges Rennen für uns. Rückblickend haben sich die Bedingungen zu Beginn anders entwickelt als erwartet: Mit dem, was wir damals wussten, war es ein Risiko, das es wert war, eingegangen zu werden, aber letztendlich verlief die Anfangsphase nicht wirklich zu unseren Gunsten, und das brachte uns ziemlich früh ins Hintertreffen.» Der Deutsche weiter: «Auch danach hatten wir nicht ganz das Tempo, um uns so zu steigern, wie wir es uns gewünscht hätten. Andere um uns herum konnten schneller nach vorne kommen, daher gibt es auch hier definitiv Dinge, die wir verstehen und verbessern müssen.»
Die Analyse des Rennens offenbarte mehrere Schwachstellen: Zum einen die fehlende Grundgeschwindigkeit auf trockener Strecke, zum anderen die mangelnde Effizienz der Reifenaufwärmphase. Während Konkurrenten wie Haas oder Alpine mit ähnlichen Strategien besser zurechtkamen, fehlte Audi die nötige Pace, um die verlorene Zeit wettzumachen. Teamchef Oliver Oakes betonte, dass man die Lehren aus Montreal ziehen werde: «Wir müssen aggressiver sein in der Strategie, aber auch das Auto schneller machen. Monaco wird eine ganz andere Herausforderung – dort zählt vor allem die mechanische Traktion und das Vertrauen des Fahrers in das Auto.»
Für Hülkenberg persönlich war das Rennen ein weiterer Rückschlag in einer Saison, die mit großen Erwartungen begann. Der 38-Jährige wechselte zu Audi in der Hoffnung, mit dem Werksteam den nächsten Schritt zu machen. Doch nach sechs Rennen steht das Team mit nur zwei Punkten aus Bortoleto achter Platz in Miami auf dem vorletzten Platz der Konstrukteurswertung. «Wir müssen konstanter werden», fordert Hülkenberg. «Es reicht nicht, einmal zu glänzen und dann wieder abzufallen. Jedes Rennen muss ein Schritt nach vorne sein.»
Die nächste Chance bietet sich in Monaco, das in knapp zwei Wochen auf dem Kalender steht. Für Hülkenberg ist das Rennen im Fürstentum ein Heimspiel, lebt er doch in der Nähe von Monte Carlo. «Monaco ist eine Strecke, die ich liebe. Sie erfordert Präzision und Mut – Eigenschaften, die ich mitbringe. Unser Auto muss aber auch in den langsamen Kurven funktionieren. Daran arbeiten wir fieberhaft», so Hülkenberg. Das Team plant für Monaco umfangreiche Updates, insbesondere an der Vorderachse und der Hydraulik, um die Traktion zu verbessern. Ob diese Maßnahmen ausreichen, um den Anschluss an die Mittelfeldspitze zu finden, wird sich erst im Training zeigen.
Blickt man auf die bisherige Saison von Audi, so lassen sich Parallelen zu den Vorjahren erkennen. Das Team kämpft mit den gleichen Problemen wie schon unter dem Namen Sauber: mangelnde Downforce bei hohen Geschwindigkeiten und Inkonsistenz in der Reifennutzung. Die Zusammenarbeit mit dem Motorenpartner Ferrari (seit 2024) brachte zwar mehr Leistung, aber die Chassis-Entwicklung hinkt hinterher. Der langfristige Plan von Audi, sich bis 2030 an der Spitze zu etablieren, erfordert Geduld – die aber bei den Fans und im Management zunehmend schwindet. Hülkenberg, der bereits 2025 für Audi fuhr, kennt die Schwierigkeiten: «Es ist ein Marathon, kein Sprint. Aber wir müssen uns steigern, sonst werden die Abstände noch größer.»
Das Rennen in Montreal gewann übrigens Kimi Antonelli im Mercedes vor Lewis Hamilton und Max Verstappen. Für Antonelli war es der erste Grand-Prix-Sieg seiner jungen Karriere, was die Dominanz von Mercedes in dieser Saison unterstreicht. Audi hingegen muss weiter um jeden Punkt kämpfen. Hülkenberg und Bortoleto liegen in der Fahrerwertung auf den Plätzen 19 und 20, nur noch vor dem strauchelnden Williams-Team. Die nächsten Rennen werden zeigen, ob Audi die Kurve kriegt oder ob das Mittelfeld weiter enteilt.
Source: SPEEDWEEK.com News