Die US-Präsidentschaftswahl 2028 rückt näher, und obwohl der Wahltermin noch in weiter Ferne liegt, haben die parteiinternen Manöver bereits begonnen. Da Amtsinhaber Donald Trump nach zwei Amtszeiten nicht erneut kandidieren darf, müssen sowohl Republikaner als auch Demokraten neue Gesichter aufstellen. Während bei den Republikanern Vizepräsident JD Vance und Außenminister Marco Rubio als Favoriten gelten, ist das Feld der Demokraten noch offen. Das parteiinterne Rennen wird voraussichtlich erst nach den Zwischenwahlen im November 2026 richtig Fahrt aufnehmen, doch einige Politiker bringen sich bereits jetzt in Stellung. Im Folgenden werden die vielversprechendsten Kandidaten und Kandidatinnen vorgestellt, die das Potenzial haben, die nächste demokratische Präsidentschaftskandidatur für sich zu entscheiden.
Kamala Harris – Die ehemalige Kandidatin mit Erfahrung
Die frühere Vizepräsidentin Kamala Harris ist zweifellos eine der bekanntesten Figuren der Demokratischen Partei. Bei der Wahl 2024 unterlag sie Donald Trump, obwohl sie erst spät für Joe Biden als Spitzenkandidatin eingesprungen war. Diese Erfahrung hat sie nicht abgeschreckt, im Gegenteil: Sie hat bereits mehrfach angedeutet, dass sie einen dritten Anlauf auf das Weiße Haus erwägt. „Vielleicht, vielleicht. Ich denke darüber nach“, sagte sie kürzlich. Harris hat eine bewegte politische Karriere hinter sich: Sie war Justizministerin von Kalifornien und später Senatorin, bevor sie Bidens Vizepräsidentin wurde. Ihr größter Trumpf ist ihre Bekanntheit und ihre Fähigkeit, die Basis der Partei zu mobilisieren. Allerdings muss sie sich auch mit dem Stigma der Niederlage von 2024 auseinandersetzen und wird von progressiven Kräften innerhalb der Partei kritisch beäugt, die ihr eine zu moderate Haltung vorwerfen.
Andy Beshear – Der erfolgreiche Gouverneur aus einem roten Staat
Andy Beshear, der 48-jährige Gouverneur von Kentucky, gehört zu den überraschendsten Namen auf der Liste potenzieller Kandidaten. Kentucky ist traditionell ein tiefroter Staat, in dem Donald Trump 2024 mit einem Vorsprung von über 30 Prozentpunkten gewann. Dennoch gelang es Beshear, sich als Demokrat zu behaupten und sogar eine zweite Amtszeit zu gewinnen. Seit 2025 ist er Vorsitzender der Democratic Governors Association, was ihm eine landesweite Plattform bietet. In Interviews hat er sich offen für eine mögliche Präsidentschaftskandidatur gezeigt. Beshear punktet mit einem pragmatischen Regierungsstil, der auch konservative Wähler anspricht. Im Bereich Bildung und Gesundheitsversorgung hat er in Kentucky beachtliche Erfolge erzielt. Seine größte Herausforderung wird sein, sich aus einem relativ kleinen Bundesstaat heraus landesweit bekannt zu machen und in den Vorwahlen gegen national bekanntere Namen zu bestehen.
Gavin Newsom – Der kalifornische Scharfmacher
Gavin Newsom, der Gouverneur von Kalifornien, wird seit Jahren als potenzieller Präsidentschaftskandidat gehandelt. Nach zwei Amtszeiten darf er 2026 nicht erneut für das Gouverneursamt kandidieren, was ihm den Rücken für eine nationale Kampagne freimacht. Der 58-Jährige hat sich in den vergangenen Monaten als einer der schärfsten Kritiker Donald Trumps profiliert, unter anderem auf der Münchner Sicherheitskonferenz im Februar 2026. Newsom verkörpert den progressiven Flügel der Demokraten und setzt sich für strenge Waffengesetze, expansive Klimapolitik und soziale Gerechtigkeit ein. Sein größtes Kapital ist die Größe und wirtschaftliche Bedeutung Kaliforniens, aber auch eine mögliche Spaltung der Partei zwischen moderaten und linken Kräften könnte ihm schaden. Nach den Zwischenwahlen will er sich ernsthaft mit der Frage befassen, ob er 2028 antreten wird.
J.B. Pritzker – Der milliardenschwere Mahner
J.B. Pritzker, Gouverneur von Illinois, bringt eine ganz besondere Ressource in das Rennen: sein persönliches Vermögen. Als Erbe des Hyatt-Hotelimperiums ist er Milliardär und damit weniger auf Wahlspenden angewiesen als die meisten anderen Bewerber. Gleichzeitig könnte ihm genau dieser Reichtum zum Vorwurf gemacht werden, weil er angeblich keinen Bezug zu den wirtschaftlichen Sorgen der Durchschnittsamerikaner habe. Der 61-Jährige hat sich zuletzt durch scharfe Kritik an Trumps Einwanderungspolitik hervorgetan. Auf eine Präsidentschaftskandidatur angesprochen, zeigt er sich zurückhaltend. Er wolle sich zunächst auf seine Wiederwahl konzentrieren, sagte er, aber er schloss nicht aus, später zur Verfügung zu stehen. Pritzker hat in Illinois eine Reihe sozialer Reformen durchgesetzt, darunter eine Anhebung des Mindestlohns und den Ausbau des Gesundheitswesens. Sollte er kandidieren, müsste er sich gegen den Vorwurf wehren, ein „reicher Junge“ zu sein, der die Probleme der Arbeiterklasse nicht versteht.
Josh Shapiro – Der beliebte Swing-State-Gouverneur
Pennsylvania gilt als einer der wichtigsten Swing States bei Präsidentschaftswahlen, und Josh Shapiro, der amtierende Gouverneur, genießt dort hohe Beliebtheit. Bei der Wahl 2024 gewann Trump in Pennsylvania, aber Shapiros Popularität blieb unbeschadet. Er strebt im Herbst 2026 seine Wiederwahl an und will danach „Teil der Debatte“ sein, in welche Richtung sich die USA entwickeln. Shapiro ist jüdischen Glaubens und gilt als pro-israelischer Demokrat – eine Haltung, die in der Partei zunehmend auf Kritik stößt, da der progressive Flügel eine kritischere Haltung gegenüber Israel einfordert. Seine Bilanz in Pennsylvania umfasst erfolgreiche Maßnahmen im Bereich der Bildung und der Wirtschaftsförderung. Sollte er kandidieren, könnte er sich auf eine solide Unterstützung aus dem einflussreichen Swing State stützen, müsste aber die Gräben innerhalb der Partei überbrücken.
Weitere Gouverneure, die immer wieder genannt werden, sind Wes Moore aus Maryland – der eine Kandidatur jedoch ausgeschlossen hat – und Gretchen Whitmer aus Michigan, die entsprechende Spekulationen bislang stets heruntergespielt hat.
Mark Kelly – Der Senator mit dem Astronautenruf
Mark Kelly, Senator aus Arizona und ehemaliger Astronaut, bringt einen ganz besonderen Lebenslauf mit: Er war Marinepilot und später NASA-Astronaut, bevor er in die Politik ging. Als Vertreter eines weiteren wichtigen Swing States hat er sich einen Namen gemacht, insbesondere durch seine Arbeit im Bereich Sicherheit und Technologie. Der 62-Jährige hat nicht ausgeschlossen, sich um die Präsidentschaftskandidatur zu bewerben. Bei Wahlspendern kommt er gut an und gilt als Vertreter des konservativeren Flügels der Demokraten. Diese moderate Haltung könnte ihm in einem parteiinternen Rennen Probleme bereiten, da die Basis der Partei zunehmend nach links rückt. Kellys Ehefrau ist die ehemalige Kongressabgeordnete Gabby Giffords, die 2011 bei einem Attentat schwer verletzt wurde und sich seither für strengere Waffengesetze einsetzt. Dieses Engagement könnte Kelly zusätzliche Unterstützung von Waffenkontroll-Befürwortern sichern.
Alexandria Ocasio-Cortez – Die Ikone der Progressiven
Alexandria Ocasio-Cortez (AOC) ist zweifellos das bekannteste Gesicht des linken Flügels der Demokratischen Partei. Die 36-jährige Kongressabgeordnete aus New York füllt bei ihren Auftritten regelmäßig Hallen und wird von ihren Anhängern frenetisch gefeiert. Sie bezeichnet sich selbst als demokratische Sozialistin und hat den Green New Deal sowie Medicare for All zu ihren zentralen Anliegen gemacht. Eine Präsidentschaftskandidatur hat sie nicht ausgeschlossen. „Mein Ziel ist es, dieses Land zu verändern“, sagte sie kürzlich. Innerhalb der Partei wird jedoch bezweifelt, ob sie mit ihrer extrem linken Haltung auch eine Mehrheit der amerikanischen Wähler gewinnen kann. Ihre Gegner werfen ihr vor, zu radikal zu sein und die Partei zu spalten. Dennoch hat sie eine treue Anhängerschaft, die bereit ist, für sie zu kämpfen. Sollte sie kandidieren, könnte sie die Vorwahlen mit einer starken Basis dominieren, stünde dann aber vor der Herausforderung, sich im allgemeinen Wahlkampf gegen den republikanischen Kandidaten zu behaupten.
Die Liste der potenziellen Bewerber ist noch länger. Auch Pete Buttigieg, der ehemalige Verkehrsminister und Bürgermeister von South Bend, wird immer wieder genannt, ebenso wie Senator Cory Booker aus New Jersey oder Senatorin Amy Klobuchar aus Minnesota. Jeder von ihnen bringt eigene Stärken und Schwächen mit. Sicher ist: Das Rennen um die demokratische Präsidentschaftskandidatur 2028 wird spannend, unberechenbar und richtungsweisend für die Zukunft der Partei. Die nächsten Monate und insbesondere die Zwischenwahlen werden zeigen, welche Koalitionen sich formieren und welche Kandidaten das Zeug haben, die Partei zu einen.
Source: Wiwo News